NUR ALS BEISPIEL: MEDI kritisiert ePA ein Jahr nach verpflichtendem Start
Der Ärzteverband MEDI GENO Deutschland sieht die elektronische Patientenakte ein Jahr nach dem Pflichtstart weit hinter den Erwartungen. Technische Probleme, Mehraufwand in den Praxen und offene Fragen zu Datenschutz und Schweigepflicht prägen die Bilanz. Für alle Akteure, die auf funktionierende Datenflüsse in der ambulanten Versorgung angewiesen sind, bleibt die Lage unsicher.
MEDI GENO Deutschland hat am 18. September 2026 eine kritische Bilanz zur elektronischen Patientenakte (ePA) gezogen. Ein Jahr nach dem verpflichtenden Start fordert der fachübergreifende Ärzteverband Nachbesserungen bei Technik, Datenschutz und ärztlicher Schweigepflicht.
Nach Darstellung des Verbandes hat die ePA das politische Versprechen nicht eingelöst, die ambulante medizinische und psychotherapeutische Versorgung einfacher, sicherer und effizienter zu machen. Die Erfahrungen aus den Praxen zeigten technische Probleme, zusätzlichen Arbeitsaufwand sowie offene Fragen beim Datenschutz und bei der Schweigepflicht. Auch in der Bevölkerung bleibe die Akzeptanz verhalten.
„Die elektronische Patientenakte ist nach einem Jahr längst nicht dort, wo sie eigentlich sein müsste. Sie sollte die Versorgung verbessern und den Praxen Arbeit abnehmen. Stattdessen kostet sie im Alltag viel Zeit, verursacht zusätzliche Arbeit und lässt vor allem zentrale Fragen zur Datensicherheit und zur ärztlichen Schweigepflicht offen“, sagte Norbert Smetak, Vorsitzender von MEDI GENO Deutschland. Digitalisierung könne nur gelingen, wenn sie für Patientinnen und Patienten wie für die Behandelnden einen konkreten Nutzen bringe.
Besonders kritisch bewertet der Verband den Umgang mit der Schweigepflicht in einer vernetzten Versorgung. MEDI verlangt eine lückenlose Klärung, wie mit sensiblen Gesundheitsdaten umgegangen wird, wenn weitere Akteure Zugriff erhalten – etwa Apotheken oder künftig die Krankenkassen. „Für uns ist die Schweigepflicht keine rein technische Einstellung, sondern die fundamentale Grundlage des Vertrauens zwischen Patientinnen und Patienten und Behandelnden“, sagte Christian Messer, stellvertretender Vorsitzender. Es müsse eindeutig geregelt sein, wer welche Informationen sehen darf und wer bei Missbrauch die Verantwortung trägt.
Zusätzlich warnt der Verband vor dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Reform des Nachrichtendienstrechts. Nach dem aktuellen Stand sollen Ärztinnen und Ärzte – anders als etwa Rechtsanwälte oder Geistliche – nicht in gleicher Weise absolut vor Überwachungsmaßnahmen geschützt werden. MEDI sieht darin eine Schwächung der Vertraulichkeit medizinischer Informationen.
Für Anbieter außerhalb der Praxis ist die Bilanz relevant, weil viele digitale Versorgungsmodelle auf verlässliche Daten aus der ambulanten Behandlung setzen. Solange die ePA in den Praxen Mehraufwand erzeugt und rechtliche Fragen offen bleiben, verzögern sich Anwendungsfälle, die auf gemeinsame Datenbestände aufbauen. Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob der Gesetzgeber die Zugriffsrechte präzisiert und die technische Stabilität verbessert.
Quelle
- Deutsches Ärzteblattwww.aerzteblatt.de