NUR ALS BEISPIEL: Investoren bewerten Bildgebung nach Integration statt Standortzahl
Die Beratungsgesellschaft Lincoln International beobachtet einen Wechsel der Investitionslogik in der medizinischen Bildgebung: Zukäufe und EBITDA-Zuwachs allein tragen die Bewertung nicht mehr. Gefragt sind zentral gesteuerte Plattformen mit Technologieeinsatz und Anschluss an angrenzende Versorgungsschritte.
Der europäische Markt für erweiterte diagnostische Bildgebung verschiebt seine Investitionslogik. Das berichtet Investors in Healthcare am 21. September 2026 mit Bezug auf eine Analyse von Lincoln International. Kaufinteressenten fragen weniger nach der Zahl erworbener Standorte und dem daraus addierten EBITDA, sondern nach zentraler Steuerung, Technologie und klinischer Qualität.
„Es ist keine Frage von EBITDA und der Zahl der in den vergangenen zwölf Monaten erworbenen Standorte mehr“, sagt Dirk-Oliver Löffler, Managing Director und Co-Head Healthcare Europe bei Lincoln International. Entscheidend sei, ob ein Anbieter die Plattform auf die nächste Stufe gehoben habe.
Nachfrage wächst, Kapazität fehlt
Als langfristige Treiber nennt die Analyse alternde Bevölkerungen, steigende Zahlen chronischer Erkrankungen, Prävention, Fachkräftemangel und Budgetdruck in den Gesundheitssystemen. Zugleich sind die Wartezeiten für MRT und andere Verfahren hoch, weil Radiologinnen und Radiologen sowie unterstützendes Personal fehlen. Bessere Geräteauslastung, Teleradiologie, automatisierte Abläufe und KI-gestützte Befundung sollen das Volumen erhöhen, das eine Plattform bewältigen kann.
Andy Roth, Director in Lincolns European Healthcare Group, beschreibt Zentralisierung als Merkmal der nächsten Anbietergeneration: datengetriebene, kennzahlenbasierte Steuerung aus einer zentralen Funktion heraus, dazu Einkauf, Finanzierung, Personal, medizinische Leitung und gemeinsame IT-Infrastruktur. Weil bildgebende Geräte kapitalintensiv sind, wirkt gebündelte Beschaffung unmittelbar auf die Marge.
Technologie sieht Roth über reine Produktivitätsgewinne hinaus: KI müsse über die gesamte Plattform hinweg eingesetzt werden, um die medizinische Qualität zu verbessern. Ein einzelnes KI-Werkzeug verbessere einen Teilschritt; ein Anbieter, der KI, Arbeitsabläufe, Daten, Geräte und klinische Steuerung im Netzwerk verbinde, schaffe einen dauerhafteren Vorteil.
Bewertungen unter Druck
Investoren stellen stärker auf den Cashflow ab und akzeptieren aggressive EBITDA-Bereinigungen nicht mehr, etwa die Einrechnung noch nicht unterzeichneter Zukäufe und ihrer Synergien. Die Multiples liegen nach Löfflers Einschätzung rund zwei bis drei Turns unter dem Niveau von vor drei bis vier Jahren. Zwischen den Preisvorstellungen mancher Eigentümer und der Zahlungsbereitschaft der Käufer bleibt eine Lücke.
Lincolns Fokus liegt auf Plattformen mit etwa 30 bis 60 Mio. Euro EBITDA. Dort sei genug Größe für ein professionelles Betriebsmodell vorhanden und zugleich Spielraum, das Geschäft strategisch zu formen, etwa über neue Länder, zusätzliche Modalitäten oder angrenzende Indikationen. Roth verweist auf die Orthopädie: Bildgebung vor der Behandlung, Rehabilitation danach.
Für Eigentümer mittelgroßer Anbieter heißt das, dass ein Verkaufsprozess heute mehr verlangt als eine gefüllte Zukaufsliste. Nachweisbares organisches Wachstum, belastbare Cash Conversion und eine zentrale Managementstruktur bestimmen, welcher Preis erzielbar bleibt.
| Kennzahl | Wert | Jahr | Quelle |
|---|---|---|---|
| Zielgröße Plattformen (EBITDA) | 30 bis 60 Mio. Euro | 2026 | Lincoln International |
| Rückgang der Bewertungsmultiples | rund 2 bis 3 Turns gegenüber 2022/2023 | 2026 | Lincoln International |
Quelle
- Investors in Healthcarewww.investorsinhealthcare.com